Rezension - Vom Glück

Vom Glück


So kann's gehen ...

Das handliche Taschenbuch mit dem Cover in leuchtendem Blau - ein an den Maler Marc Chagall erinnerndes Bild - ist ein kleiner Schatz. 26 Menschen erzählen sehr ehrlich und oft mit erfrischender Nüchternheit und Schlichtheit, wie sie aus einer psychischen Krise wieder herausgekommen sind und den Weg zu einem erfüllteren Leben gefunden haben.

Bemerkenswert ist die Bandbreite der Existenzen und Lebensläufe. Die Autorinnen und Autoren sind etwa zwischen 33 und 64 Jahre alt, ihre Berufe reichen von der Buchhändlerin, der Postbeamtin, der Diplom-Psychologin bis hin zum Informatiker, Betonbauer und Literaturwissenschaftler.

So unterschiedlich wie ihr Alter und ihre Ausbildung ist neben ihrem Schreibstil auch das, was sie im Zusammenhang mit ihrer psychischen Krise erlebt haben und vor allem - das Thema des Buches -, welche Dinge ihnen jeweils dabei geholfen haben, ihre Krise zu meistern und im Leben wieder Fuß zu fassen. So schildert eine Autorin anschaulich, wie sehr sie es genießt, jetzt in ihrer eigenen Wohnung zu leben, nachdem sie zuvor in einer betreuten Wohngemeinschaft gelebt hat. Die eigene Wohnung bedeutet für sie Schutz, ein Zuhause, eine "Kraft-Tankstelle". Ein anderer Krisen-Erfahrener erzählt, wie er dank der Ermutigung und Unterstützung durch eine Assistenzärztin der psychiatrischen Klinik wieder an sein ehemaliges Interesse für Hobbysport anknüpfen konnte. Er hat den Sport - Squash, Skifahren, Fußball u.a. - nach seiner Entlassung aus der Klinik als Therapie für sich entdeckt.

Die einzelnen Erfahrungsberichte sind mehr oder weniger kurz und unter verschiedenen Oberthemen zusammengestellt, z.B. Arbeit, Selbsthilfe, Psychotherapie, Sport, Kreativität, Religion - alles Faktoren, die für die Bewältigung einer Krise bedeutsam sein können. Durch die ganz unterschiedliche Betonung solcher Momente durch die einzelnen Autorinnen und Autoren wird deutlich, wie verschieden Wege aus psychischen Krisen sind und wie wichtig es demnach ist, dass Hilfe bei den jeweils individuellen Bedürfnissen und Interessen der Betroffenen ansetzt und diese ernst nimmt.

Es sind oft einfache Dinge, die für die Psychiatrie-Erfahrenen wichtig (geworden) sind - aber, das wird in den verschiedenen Berichten nachfühlbar deutlich gemacht, diese "einfachen" Dinge sind alles andere als selbstverständlich. So kann man sicher auch den Titel des Buches "Vom Glück" verstehen: Ein selbstbestimmtes, zufriedenes Leben, nach einer Krise mühsam und schrittweise wieder aufgebaut, erkämpft oder neu erlernt, ist umso kostbarer, da es keine Selbstverständlichkeit ist, es ist daher ein besonderes Glück.

Das Buch ist eine bereichernde Lektüre – nicht nur für Psychiatrie-Erfahrene, denn schließlich kennt fast jeder Mensch Krisen in seinem Leben; es macht Mut, nach dem eigenen Weg zu suchen und fördert die Sensibilität dafür, dass in Wahrheit nichts im Leben selbstverständlich ist.

Anne Katrin Bläser

Bonn


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